Zwischen Köln und Kuhstall 

Lokale Landwirtschaftsbetriebe sterben aus. Ein kleiner Familienbetrieb in Köln Poll bewirtschaftet ihren Hof – auf Ackerland, das der Stadt gehört. Ein Samstagmorgen zwischen Reibekuchen, Stammkunden und einer Zukunft ohne Garantie.

2,5 Kilogramm Kartoffeln, 1,5 Kilogramm Spinat, 15 Eier – das macht 17,30 Euro. Es riecht nach Vieh. Auf einem Ausgussbecken stapeln sich leere Eierkartons. Die Kölner Frühlingssonne strahlt durch das staubige kleine Sprossenfenster. 

Hinter einem alten Holztisch steht ein Mann. Sorgfältig legt er das Bündel Grün auf die weiße Kaufmannswaage. Zügig addiert er die Zahlen in einem Taschenrechner. Mütze, Strickpullover, weinrote Schürze. Es ist kühl an diesem Samstagmorgen im April. Die nächste Kundin tritt ein. Er begrüßt sie mit einem schmalen Lächeln, sagt etwas auf Kölsch. Ein Salatkopf und 20 Eier – 9,85 Euro. Nebenbei Tratsch: Ein Kindergarten soll abgerissen werden. Die Kundin packt die Ware in einen Stoffbeutel, bedankt sich und verlässt den Laden. 

Martin Kleinschmidt betreibt seinen Hofladen in Köln Poll seit 18 Jahren. Den dazugehörigen Hof leitet der Landwirt bereits in 4. Generation. Er ist hier aufgewachsen und übernahm den Betrieb nach seiner Ausbildung an der Uni Bonn und der Landwirtschaftskammer. Dort bekam der 43-Jährige die Idee für den eigenen Hofladen – für ihn ein entscheidender Grund, den Betrieb weiterzuführen. 

Ihn erfülle nicht das Geld, sondern die Rückmeldung der Kunden. 

Nebenan, im Stall, laufen 70 Mastschweine. Ohne Antibiotikum, sagt Kleinschmidt.  

Eine junge Frau betritt den Laden. Mangold, Spinat und Eier landen heute in ihrem Korb. Die lokalen Produkte und deren Frische sind für sie der Grund hier einzukaufen. Im Regal steht Honig „vom Ernst“, einem befreundeten Imker. Man kennt sich in Poll, die meisten Kunden sind Stammkunden. In den letzten Jahren sind immer mehr junge Menschen dazugekommen, erzählt Kleinschmidt. 

Über dem Hof liegt der Geruch von Bratöl. Im dampfenden Fett braten Reibekuchen. Vor dem Zelt sind Stehtische aufgebaut. Ein Ort für Austausch mit der Gemeinschaft. 

Die Zeiten auf dem Hof waren nicht immer rosig. Jede Zeit habe ihre eigenen Herausforderungen und erfordere eigene Lösungen, erzählt Martin Kleinschmidts Vater. Die Lösung seines Sohnes: der Hofladen.  

Die Stadt Köln besitzt die meisten der begrenzten Ackerflächen in der Region. Mehr Land bewirtschaften, mehr verkaufen – das verursache nur mehr Kosten, meint Kleinschmidt. Deshalb setzt der Landwirt auf Selbstvermarktung im hauseigenen Hofladen. Der Laden ist in einem ehemaligen Stall. Die Einrichtung besteht aus alten Kellerregalen. Es braucht nicht immer große Investitionen, um eine neue Idee umzusetzen. 

Der Betrieb ist abhängig vom Ertrag des Hofladens. Rote Zahlen sind nicht ausgeschlossen. Trotz des milden Wetters ist viel los. Ein konkretes Einnahmeziel gebe es nicht, aber heute war ein erfolgreicher Verkaufstag.  

Doch Martin Kleinschmidt räumt ein: „Was bei uns funktioniert, funktioniert bei anderen Standorten gar nicht“. Die kurze Distanz zur Stadt sei entscheidend für eine große Kundschaft. Die Universallösung für den Erhalt kleiner Familienbetriebe gibt es aus seiner Sicht nicht. Er ist sich sicher, den Betrieb eines Tages schließen zu müssen. Er habe damit seinen Frieden gefunden. 

13 Uhr, der Landwirt verlässt seinen Laden. Jetzt hat er Zeit, mit seinen Kunden einen frisch gebackenen Reibekuchen zu genießen. Die Sonne strahlt. Gespräche und Gelächter füllen den Hof. 

Kinder lehnen ihre Fahrräder an das rote Backsteingebäude, schlendern zum Anhänger des grünen Traktors. Heute wird ein Maibaum gefällt. Wie jedes Jahr, gemeinsam.

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