Wenn ein Zufall zur Leidenschaft wird
K-Pop-Musik und Gesichtsmasken mit Schneckenschleim – das alles war so gar nicht Nicos Welt. Doch plötzlich leitet er einen Laden für koreanische Kosmetik. Ein Herzensjob per Zufall.
„Möchten Sie noch eine kleine Tüte dazu haben?“, fragt Nico die junge Kundin mit einem Lächeln, während er zwei Gesichtspflege-Artikel über den Scanner zieht. Er öffnet eine kleine weiße Schublade unter der Kasse, die gefüllt ist mit kleinen bunten Make-Up-Proben. Er nimmt eine heraus, steckt sie in die Tüte hinein und reicht sie der Kundin. Aus den Lautsprechern hinter ihm erklingt das Lied “Runaway” von der koreanischen Mädchen-Band „RESCENE“. An den Wänden hängen Poster von K-Pop-Gruppen. In der Mitte des Ladens sind mehrere kleine gläserne Regale mit Gesichtscremes, Lippenbalsam und Foundations gefüllt.
Nico Stauder ist 28 Jahre alt und hat BWL und internationales Marketing studiert. Die Kosmetikbranche und vor allem das Thema Hautpflege war schon immer sein Ding. Vor seinem Studium hat er in diversen Läden wie Douglas und Shiseido gearbeitet. Aber dann suchte er nach einer neuen Herausforderung. Er wollte über die deutsche Branche hinausschauen.
„Es war der erste Job, der mich angenommen hat“, sagt er lachend. K-Pop, koreanisches Make-Up – damit kannte sich Nico so gar nicht aus. „Ich hatte vielleicht so zwei Produkte davon zuhause“. Aber dann hat er diese Stellenanzeige gesehen, sich einfach mal beworben. Und plötzlich war er Storemanager in einem koreanischen Beauty-Laden.
Nico öffnet ein großes braunes Paket und nimmt mehrere Feuchtigkeitsmasken heraus. Er sortiert sie in das lange weiße Regal neben der Kasse. Die einen sind für die Hände, die anderen fürs Gesicht. Die Packungen sind mit Pandas, Elefanten, Blumen, Schnecken und Perlen verziert. „Die Pure Natural Mask Sheet ist gerade sehr beliebt bei uns im Laden“, erklärt Nico und zeigt auf die gold-schimmernde Verpackung.
Vor diesem Job kannte sich Nico so gar nicht in der K-Beauty-Branche aus: „Es ist halt eine krasse Umstellung, ich habe noch nie mit den Produkten davor gearbeitet“, sagt er. Verkäufer von K-Beauty müssten sich intensiv mit den Produkten beschäftigen. Die Zusammensetzungen und Wirkungen seien sehr komplex. Kundenberatung spiele deswegen eine ganz besondere Rolle. Nico erklärt, dass man den Kunden zum Beispiel erklären müsse, welche Produkte miteinander kombinierbar sind und welche nicht. Sonst kann es zu Verbrennungen kommen. Außerdem enthält koreanische Hautpflege Inhaltsstoffe, die in der europäischen überhaupt nicht zu finden sind, sagt Nico. „Schneckenschleim und fermentierter Reis werden in Korea schon seit Jahren benutzt, aber in Europa gar nicht“.
Mittlerweile ist Nico voll in seinem Element. Selbst in seiner Freizeit beschäftigt er sich mit der K-Pop-Kultur „Dadurch, dass ich hier arbeite, höre ich auch mehr K-Pop und habe sogar meine Lieblingsbands“. Die koreanischen Produkte findet er inzwischen sogar interessanter als die europäischen. „Es ist ultra spannend, wie alles zusammengesetzt ist und es macht sehr viel Spaß, sich damit auseinanderzusetzen“. Nico hat es sogar geschafft, einen Freund davon zu überzeugen, koreanische Hautpflegeprodukte zu benutzen. Dabei war der immer misstrauisch. „Heute ist er auch auf diesem K-Beauty-Trip“, sagt er.
Während „NINETEEN“ von hrtz.wav durch die großen Lautsprecher zu hören ist, sagt Nico mit einem großen Lächeln: „Es war eine sehr, sehr gute Entscheidung hier zu arbeiten“.