Studium, Schmuck und Sonderwünsche
Schmuck basteln war lange Zeit nur ihr Hobby. Jetzt fertigt Katharina Froitzheim neben ihrem Studium Ketten und Ohrringe für Kunden. Wie geht sie mit Sonderwünschen um?
„Da glitzert’s!“ sagt ein Passant und zeigt auf den kleinen Laden in der Bonner Innenstadt. Ein anderer Kunde sieht die Ketten im Schaufenster und betritt daraufhin das Geschäft. Aber er ist auf der Suche nach einer besonderen Kette, so ganz das Richtige scheint noch nicht dabei zu sein. „Ich hätte gerne eine Kette mit Lavasteinen“, sagt er. Katharina Froitzheim geht ins Vorratslager und kommt nach wenigen Minuten zurück – ohne Kette. „Sind Sie heute den ganzen Tag in Bonn?“ fragt sie den Kunden. Er nickt. „Ich könnte Ihnen auch im Laufe des Tages eine machen“, bietet die 22jährige Studentin ihm an. Sie holt aus dem Lager Steine in unterschiedlichen Größen, lässt den Kunden die Kettenlänge auswählen und misst seinen Halsumfang. „Eine individuelle Beratung ist halt nur möglich, wenn nicht so viel Kundschaft da ist“, sagt sie.
Seit September arbeitet Froitzheim nebenbei in einem kleinen Schmuckladen in der Bonner Innenstadt. In erster Linie studiert sie Romanistik an der Universität Bonn, Französisch im Hauptfach und Italienisch im Nebenfach. „Das ist eine Mischung aus allem“, erklärt sie. Ketten und Schmuck bastelt sie schon länger – lange Zeit aber nur als Hobby. „Die hier habe ich auch selbst gemacht“, sagt sie und zeigt auf die Kette um ihren Hals.
Jetzt muss sie aber erstmal die Lavastein-Kette für den Kunden anfertigen. Sie geht ins Hinterzimmer des kleinen Ladens. Der Raum reicht kaum für eine Person zum Stehen, viel mehr Platz gibt es nicht. Perle für Perle fädelt Froitzheim auf, damit der Kunde die Kette noch im Laufe des Tages abholen kann. Nach jeder sechsten Perle muss sie in der Mitte ein neues silbernes Zwischenteil einfügen, dann folgen wieder die schwarzen Lavasteine. Oft guckt sie in Richtung Ladeneingang. „Ich muss darauf achten, dass keine Kunden kommen“, sagt sie.
Die Fläche des kleinen Geschäfts ist insgesamt kaum größer als eine Tischtennisplatte. Was sie dort nicht selbst herstellen, kaufen sie von anderen deutschen Kleinunternehmen ein. Das Angebot ist bunt: Von kleinen, weißen Süßwasserperlen und glitzernden Ohrringen in allen Farben bis zu Goldschmuck mit Anhängern und großen, gelben Kugeln, zusammen gefädelt zu einem Collier, ist alles dabei.
„Die Chefin ist wohl noch nicht da?“, fragt jetzt eine ältere Dame, die Ohrringe kaufen will. Froitzheim berät sie, gibt ihr Tipps, welche Ohrringe zu ihrem Outfit passen könnten. „Ich glaube, Sie tragen lieber blau“, sagt sie und die Kundin nickt zustimmend. Sie kauft das Schmuckstück. Als der Laden wieder leer ist, kann sich die junge Schmuckmacherin wieder der Kette aus Lavasteinen widmen. „So schwer ist das gar nicht“, sagt sie. Rund 30 Minuten lang fädelt, knotet und bastelt sie an der Kette herum. Zuletzt bildet sie eine Schlaufe für einen Ring, um die zwei Enden der Kette zu verbinden – wieder ist eine Sonderanfertigung fertig!