Mehr als nur Bücher

In der Buchhandlung „She said“ gibt es hauptsächlich Literatur von weiblichen und queeren Menschen. Blessing aus England ist ein Teil des Teams. In ihrer Schulzeit hat sie sich nach so einem Ort gesehnt.

Leise Instrumentalmusik spielt, während eine junge Frau, zwei ältere Herren und ein Pärchen mit einem Kaffee in der Hand zwischen Büchern umherschlendern. Die Buchhandlung „She Said“ ist schon um 10:30 Uhr am Samstagmorgen gut besucht. Die Mitarbeiterin Blessing räumt gerade neue Bücher in die Regale. Die 22-Jährige ist vor  einem halben Jahr aus England nach Deutschland gezogen und arbeitet seit drei Monaten bei She Said. Die Buchhandlung hat 2020 eröffnet und spezialisiert sich auf Literatur von feministischen und queeren Menschen.

Bei She Said gibt es nicht nur Bücher, sondern auch ein integriertes Café und Veranstaltungen. „Es zeigt, was ein Buchladen alles sein kann“, sagt Blessing. Von der Lesung von Maaza Mengiste zu ihrem Buch The Shadow King war sie besonders beeindruckt. Der Roman handelt von Äthiopierinnen, die 1935 ihre Heimat vor Mussolinis Faschisten verteidigen – notfalls auch mit Waffen.

Solche Romane, sagt Blessing, habe sie in der Schule nie gelesen. Dort hätten vor allem Bücher von Männern auf dem Plan gestanden. Dabei würde sie Literatur von Frauen am meisten berühren: Die Kinderbücher von Jacqueline Wilson, die sich auch schwierigen Themen wie Scheidung und Adoption annimmt. Oder Devotion von Patti Smith, in dem die Musikerin und Autorin über den kreativen Prozess schreibt. Wenn Blessing über dieses Buch redet, kommt sie ins Schwärmen. Gestikulierend erzählt sie, wie meditativ sie Smiths Tagträumereien findet.

Bevor Blessing „She Said“ entdeckte, fand sie nur eine Ecke in ihrer Universitätsbibliothek, die sich explizit mit weiblichen, schwarzen und queeren Autoren beschäftigte. Auch der Gründerin von „She Said“, Emilia von Senger, fiel es schwer, Bücher von diversen und weiblichen Menschen zu finden. Auch bei Literaturpreisen waren Frauen bisher eher unterrepräsentiert. So wurde der renommierte Georg-Büchner-Preis für Literatur bisher nur in 12 von 72 Jahren an eine Frau verliehen. Daher möchte von Senger es ihren Kundinnen und Kunden leichter machen, Bücher feministischer und queerer Menschen zu finden.

Es gebe zwar viele junge Kundinnen und Kunden, die sich ohnehin schon mit feministischen und queeren Themen beschäftigen – aber auch solche, die bisher wenig Berührungspunkte mit solchen Themen hatten. „Es kommen oft Eltern, die mit ihren Kindern über Identität oder Sexualität sprechen möchten“, sagt sie. Ein Buchladen könne damit auch ein Ort sein, der Generationen zusammenbringe.