Leere Bänke, offene Türen

Immer mehr Menschen treten aus der Kirche aus. Thea lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie kämpft dafür, dass ihre Gemeinde trotzdem Zukunft hat.

Kommt man an einem Samstagvormittag zur Evangelischen Trinitatiskirche in Berlin-Charlottenburg, trifft man direkt Thea, die vor der Kirchentür wartet und Besucherinnen und Besuchern einen Kaffee anbietet. Innen steht ihr kleiner Kaffeewagen, im Eingangsbereich sitzen Menschen in einem improvisierten Café mit kleinen Holztischen.

Als Ehrenamtliche arbeitet Thea daran, die Kirche einladend zu machen. Und das ist auch nötig. Denn wie in fast allen Kirchen in Deutschland gibt es auch hier weniger Gemeindemitglieder. Als Thea 1956 ihre Konfirmation feierte, waren es hier noch 20.000. Heute sind es nur noch 5000, schätzt Thea. In ganz Deutschland treten jedes Jahr mehrere hunderttausend Menschen aus der evangelischen Kirche aus. Der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zufolge waren es allein im vergangenen Jahr 380.000.

An der Schönheit der Kirche liegt es wohl nicht: ein riesiges Holzkreuz vom Künstler Otto Flath hängt an der hohen Wand über dem Altar. Gelbe Sonnenblumen und brennende Kerzen schmücken den Altartisch neben der Osterkerze. Die Farben der Fenster fallen auf den Boden der 125 Jahre alten gotischen Kirche. Ein Musiker spielt auf einem eleganten Flügel.

Und auch der Glaube sei nicht schuld, hofft Thea. Stattdessen: „Ich denke, es liegt am Geld.“ Ob das stimmt? Schließlich interessieren sich viele junge Menschen nicht mehr für Gott. Viele kritisieren die Kirche, sagen, dass sie etwa Homosexuelle ausschließe. Das ist in der Charlottenburger Gemeinde aber kein Problem, glaubt Thea. „Zu uns kann jeder kommen“, sagt sie. Sie seien eine aufgeschlossene Gemeinde, ohne Ausgrenzung.

Deutlich wird das bei der „Offenen Kirche“. Sie findet samstagvormittags in der Kirche statt. Einheimische und einige Touristinnen und Touristen besuchen von 11:00 bis 13:00 Uhr die Kirche. Ständig kommen und gehen sie, viele bleiben nur kurz, andere verweilen lange. 

In den letzten Jahren sank die Zahl der Jugendlichen in der Kirchengemeinde. Nur 16 Jugendliche seien dieses Jahr konfirmiert worden, sagt Thea. Im nächsten Jahr wolle die Gemeinde deshalb die Feier mit einer anderen Gemeinde zusammenlegen. 

Thea und ihre Kolleginnen und Kollegen geben sich daher sichtlich Mühe, um mehr junge Menschen anzusprechen. Beispielsweise gibt es einen Jugendkreis, der sich wöchentlich trifft sowie Segelfreizeiten in den Ferien. Außerdem hat die Gemeinde eine neue Jugendbeauftragte eingestellt. Ob all das etwas bringt? Thea und Christine wissen es nicht. Aber sie glauben daran.