Kunst – dort wo sie keiner erwartet
Zwischen aussortierter Kleidung, Kinderspielzeug und alten Gläsern – und dann, mittendrin, Janine Koppelmanns Galerie. Ein Raum der Kunst in einem Innenhof, wo niemand ihn erwartet. Aber kann das funktionieren?
Samstagvormittag, halb elf. Nebel liegt noch in der Luft. Die Straßen sind gefüllt mit Menschen jeden Alters. Ein Kunstblumentor führt zu einem schmalen Hinterhof mit Tischen voller Kinderkleidung, altem Spielzeug und vintage Gläsern. Mittendrin eine große, aus Alu gegossene und mit Goldpapier überzogenen Statue, die drei Menschen aufeinander balancierend zeigt. „Haben sie zufällig ein Mundstück für meine neue Trompete?“ Ein älterer Herr blickt fragend in die Richtung der Verkäuferin. Sie stellt die Kaffeetasse zur Seite, schüttelt freundlich den Kopf und lacht, kurz und echt. Die zwei unterhalten sich.
Janine Koppelmann vergleicht ihre Arbeit als Kuratorin mit einem Dirigenten. „Derjenige der dirigiert, spielt zwar nicht selbst die Instrumente, gestaltet aber die Musik“. Die ehemalige Architekturstudentin betreibt heute die Galerie Koppelmann in einem Hinterhof in Nippes. Ein Ort, der auf den ersten Blick nicht aussieht wie eine Galerie.
Menschen tummeln sich im Innenhof, stöbern neugierig und betreten, ganz beiläufig, die Galerie. Keine Ausstellung – ein Flohmarkt. Der Raum ist gefüllt mit vintage Kleidern, wertvollen Taschen und alten Kameras. „Ich glaube Sie sind auf der Suche nach neuen Gläsern“, ruft Janine lächelnd einem Kunden zu. Diese habe sie beim Umzug ihrer Eltern aussortiert und möchte sie unbedingt verkaufen, erzählt sie. Die Grenzen von Arbeit und Privatleben hat sie nie genau festgelegt. Das ist kein Versehen.
„Der Hunger nach Kunst ist da. Aber es braucht Austausch und Gemeinschaft“ sagt Janine. Galerie Koppelmann ist ein Gegenentwurf zum „White Cube“. Sie gestaltet eine offene Atmosphäre, in einer Nachbarschaft, die von Freundschaft und Zusammenhalt geprägt sei. „Kunst trägt einen Teil dazu bei, dass Gemeinschaften entstehen“, erzählt die Galeristin.
Für eine gemeinsame Aktion mit dem Kunst Kollektiv PAErsche kamen mehrere Performance Künstlerinnen und Künstler in die Galerie, um ihr Kunstwerk vorzutragen. Janine berichtet von einem japanischen Künstler, der ganz ruhig und „voller Zen“ Spiegel Stück für Stück zerschlug, bis sie nur noch aussahen wie Staub.
Im Hinterhof ist der ältere Herr immer noch auf der Suche nach einem Mundstück für seine Trompete. Er möchte trotzdem mal schauen, ob er eins finde, sagt er mit einem Schmunzeln. Janine lädt ihn ein, sich die Zeit zu nehmen und in Ruhe zu stöbern. Er verlässt den Hof zwar ohne ein neues Mundstück, aber mit einem Lächeln im Gesicht. „Da haben sie sich ja eine Aufgabe für heute ausgesucht“, witzelt Janine zum Abschied.