Kämpfen, schwitzen, dazugehören

Beim Hyrox-Training geht es darum, trotz Erschöpfung weiterzumachen. Johanna Rehberger trainiert mit Sandsäcken auf den Schultern und wirft Medizinbälle an die Wand. Warum reizt es sie, ans Limit zu gehen?

Schwitzende Menschen, schwere Gewichte und dröhnende Bässe. Rotes Neonlicht fällt auf die Hyrox-Sportlerinnen und Sportler, die an diesem Tag in Kreuzberg an ihre Grenzen gehen. Ihr Trainer versucht, sie zu motivieren: „Ihr schafft das!“ Von den einzelnen Stationen hört man leises Schnaufen. Ein lauter Piepton durchbricht das Gewusel: Zeit, die Übung zu wechseln. Alle laufen durcheinander, klatschen einander ab und steuern auf ihre nächste Station zu. Fast schon wie in einem Ameisenhaufen, in dem jeder genau weiß, wohin er als Nächstes muss.

Johanna Rehberger ist seit knapp sechs Monaten dabei. Sie war schon immer sportlich, hat eine Tanzausbildung gemacht und war Teil der Feuerwehr. In Berlin studiert die 31-Jährige Medizin und arbeitet im Rettungsdienst. Im März hatte sie zum ersten Mal einen Freund zum Hyrox-Training begleitet und blieb daran hängen.

Inzwischen ist sie fünfmal die Woche im Fitnessstudio. „Nach dem Training sind Kopf und Körper leer“, erklärt Rehberger. Während des Sports könne sie an nichts anderes denken. Es sei ein Ausgleich zu ihrem stressigen Studium, Job und Alltag.

Im Kursraum machen die Teilnehmenden Ausfallschritte, während sie Sandsäcke schultern. Andere schieben mit Gewichten beladene Schlitten oder meistern Strecksprünge. Ihre Brustkörbe heben und senken sich, die Gesichter werden rot. Sie alle wollen bei einem Hyrox-Wettkampf teilnehmen, um dort acht Kilometer zu laufen und dazwischen acht verschiedene Kraft- und Ausdauerstationen zu absolvieren.

Was die Sportlerinnen und Sportler an diesem Tag noch üben, wendet Johanna Rehberger bald in Hamburg an: Im Oktober will sie zusammen mit einer Freundin ein Hyrox-Rennen laufen. Eine Wunschzeit setzen die beiden sich dafür allerdings erst einmal nicht. „Mitmachen und Überleben ist das Ziel“, erzählt die Sportlerin. Auch wenn sie große Fortschritte mache, komme sie trotzdem manchmal an ihr Limit. So habe sie zu Beginn ihrer Hyrox-Karriere oft mit Kreislaufproblemen gekämpft. Will sie im Training aufgeben, werde Rehberger von den anderen Teilnehmenden angefeuert. Eine Konkurrenz verspüre die Medizinstudentin kaum: „Die Gemeinschaft trägt einen.“

Am Ende des Trainings probiert sich Rehberger an ihrer nächsten Herausforderung. Immer wieder geht die Sportlerin in die Knie, stößt sich nach oben ab und wirft den Medizinball gegen die Wand. Sie möchte den sogenannten „Unbroken Patch“ erhalten. Dafür muss sie die letzte Station, die hundert „Wallballs“, ohne Pause schaffen. Im Training habe sie bis jetzt 50 Wiederholungen erreicht. Dann schrillt ein Piepton und beendet damit den Kurs. Rehberger schlendert in die Umkleide, um die Sportschuhe wieder gegen ihre schwarzen Stiefel zu tauschen. Es wird nicht viel Zeit vergehen, bis sie wieder im Hyrox-Fitnessstudio ist.

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