Heimweh im Regal
Außen Lagerhalle, innen Spezialitäten vom Balkan. Wenn Kunden in seinem Laden einkaufen, kann Zeljko Zdjelar meistens raten, aus welchem Land sie kommen.
Ein karger Bau, umringt von Betonmauern, die großflächig mit Graffiti besprüht sind. Das Einzige, was darauf schließen lässt, dass es sich hier nicht nur um eine verlassene Lagerhalle handelt, ist ein meterhohes gelbes Schild. „ZZ Balkan Shop“ steht darauf. Man muss einmal um die Halle herumgehen, um die Eingangstür zu finden – und ist sich trotzdem nicht ganz sicher, ob man gerade Hausfriedensbruch begeht, wenn man den Hebel herunterdrückt.
Doch so kahl der Laden außen aussieht, so gemütlich ist er innen. Palmen stehen zwischen bis zur Decke beladenen Regalen, vorne liegt geräuchertes Fleisch in der Theke. Sein Geruch erfüllt den ganzen Laden. Im Hintergrund läuft kroatische Musik, eine Angestellte sortiert bunte Dosen aus Kartons.
Zeljko Zdjelar, 54, hat den „ZZ Balkan Shop“ gegründet. „Damit habe ich mir einen langen Traum erfüllt“, sagt er. Aufgewachsen in Bosnien, ist er 1991 nach Deutschland gekommen. Angefangen hat er als Lagerarbeiter in Berlin, später arbeitete er als Lieferfahrer und Außendienstmitarbeiter. 2000 hat er sich dann selbstständig gemacht. Er belieferte mit seiner Lebensmittelfirma „Mazeka“ die Gastronomie. Im Balkan Shop können seit 2020 auch Einzelkunden bei Zdjelar einkaufen.
Das Büro über dem Laden teilt er mit anderen Angestellten. „Der da drüben ist seit 26 Jahren dabei“, sagt er lachend und zeigt auf den Mann, der am Schreibtisch gegenüber sitzt. „Wir sind hier alle wie eine Familie.“ Mit 15 Mitarbeitenden betreibt er den Balkan Shop, der Produkte von kroatischem Wein bis zu serbischen Keksen anbietet.
Zdjelar beschreibt das Konzept des Ladens so: Menschen zusammenzubringen. Nach den Jugoslawienkriegen in den neunziger Jahren wollten die verschiedenen Communities in Deutschland oft wenig miteinander zu tun haben. „Dann gab es hier einen serbischen Laden, dort einen kroatischen“, erzählt er mit dunkler Stimme und leichtem Akzent. „Doch ich will alle Leute ansprechen.“ Zdjelar glaubt, dass ihm das gelungen sei. Er sehe in seinem Laden Menschen aus allen Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens. „Wenn sie einkaufen, sehe ich, woher sie kommen“, sagt er. Bosnische Kundinnen und Kunden erkenne er zum Beispiel daran, dass sie kurz vor Weihnachten Sauerkrautblätter für das traditionelle Sarma-Gericht kaufen.
Auch die Deutschen kämen, erzählt er, und suchten bestimmte Schokoladensorten oder Getränke. Meistens seien das Touristen, die sich im Urlaub in seine Heimat verliebt hätten.