Gemeinschaftlich anders einkaufen

Günstig und trotzdem nachhaltig einkaufen. In der Genossenschaft vom solidarischen Supermarkt “Köllektiv” ist das kein Widerspruch. Doch hat dieses Modell Zukunft? 

Kühlschränke brummen in dem kleinen Laden, es riecht nach Holz und Kaffee. “Yvonne, kannst du die Kaffeemaschine bedienen?” “Ja, mache ich, ich habe noch fünf Minuten.” Yvonne gießt Milchschaum in eine der Tassen. In einer Ecke sitzen zwei junge Frauen, die sich unterhalten und auf einen Kaffee warten. Im hinteren Teil des Ladens stehen Kühlschränke mit Joghurt, Milch und Ravioli sowie ein Regal mit regionalem Obst und Gemüse. Dahinter Gläser mit Tomatensauce und die große Unverpackt-Abteilung mit losen Nudeln, Haferflocken und Nüssen. 

Hinter der Theke stehen Yvonne, 42, und Nadja, 51. Beide leisten gerade ihre monatlichen Pflichtstunden im Solidarischen Supermarkt “Köllektiv”. Das ist Teil des Konzepts. Mitglieder kaufen Genossenschaftsanteile und sind dafür Teilhaber, aber auch Mitarbeiter des Supermarkts. Drei Stunden arbeiten sie im Monat im Verkauf, im Marketing, bei Aktionen oder seit neuestem auch im Vorstand. “Wir sind schon gut dabei“, erzählt Yvonne. Dadurch kann der Laden weitestgehend auf Personalkosten verzichten und die Produkte günstiger anbieten als vergleichbare Läden.  

Als ihr eine Freundin von dem Konzept erzählte, fand sie es so gut, dass sie eingestiegen ist, noch bevor Genossenschaft und Lokal überhaupt gegründet wurden. Heute gehört sie zum Vorstand. Sie sagt mit einem Lächeln im Gesicht “Man kommt in den Laden und kennt die Leute”. Das sei schon toll. Im Gegensatz zu normalen Supermärkten, würde sie nicht so passiv mit Angebot zugeschüttet. Das gebe ihr ein besseres Gefühl für ihre Lebensmittel. 

Nadja ist erst seit Dezember dabei. Sie wohnt schon lange in der Nähe. Vorher war hier ein Unverpacktladen, den sich Nadja immer mal ansehen wollte. Aber als sie dann schließlich hinging, war der Unverpacktladen weg. Wie viele ähnliche Läden musste er schließen. Dafür war an der Stelle schon das Köllektiv da. Und “das war ja noch viel cooler”, sagt sie. Die Idee sei nachhaltige, biologische, regionale und faire Produkte anzubieten – und trotzdem günstig zu bleiben. “Alle haben Recht auf gutes Essen”, so Nadja.  

Yvonne erkennt auch Probleme. Bisher gibt es nur eine Filiale vom Köllektiv. „Wir sind so weit ab vom Schuss“, sagt sie enttäuscht. Wer in einem anderen Teil von Köln wohnt, wie sie selbst, muss lange Wege auf sich nehmen. “Den Einkauf muss ich immer planen”, sagt sie. Für sie seien die Öffnungszeiten immerhin mit ihrem Job vereinbar.  

Das Köllektiv wurde vor anderthalb Jahren eröffnet. Soweit laufe es stabil. Gerade zählt die Genossenschaft 500 Mitglieder. Aktuell müsste jedes Mitglied etwa 130 bis 150 Euro im Monat ausgeben, damit sie die Kosten decken können. Das schaffen sie noch nicht immer. Deswegen wollen sie weiter wachsen und mehr Standorte eröffnen. “Wir freuen uns über jeden, der mitmacht”, sagt Yvonne. 

Das Vorbild sei eine Genossenschaft in New York mit 20.000 Mitgliedern. Der Weg dahin ist noch lang. Vorerst lautet deswegen die Frage an jeden neuen Kunden: Möchten Sie in Zukunft wiederkommen? “Ja, gerne”, antwortet eine junge Kundin und meldet sich für einen Probemonat an.

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