„Doppelt, wie immer?“

Der Einkauf im Späti kann teurer sein als im Supermarkt. Trotzdem kommt die Kundschaft immer wieder – nicht nur aus Bequemlichkeit, sondern auch wegen vertrauter Gesichter.

Neben den Regalen stehen aufgerissene, halbleere Kartons. Der Kaffeeduft aus der Maschine zieht durch den Laden und mischt sich mit dem Geruch von Backwaren, die sich hinter der Glasscheibe des Tresens stapeln. Die Regale sind voll mit Sonnenbrillen, Shampoos und Kühlschrankmagneten, auf denen „I love Berlin“ steht. Daneben reihen sich Alkoholflaschen, Getränkekisten, Teebeutel, Zigaretten, Zuckerwürfel. Der Laden wirkt wie ein Versuch, alles auf einmal zu sein.

Zwischen den Kartons kniet Hieo, den Rücken zur Tür gewandt. In den Händen hält er noch verpackte Ware, die er in Richtung Tresen trägt. Weit kommt er allerdings nicht. Denn immer wieder schwingt die Ladentür auf.

„Doppelt, wie immer?“, fragt er, als ein Mann zwei Kaffees bestellt. Der Kunde nickt. „Fünf Euro.“ Das Geld wandert über den Tresen. Der Nächste wartet schon: „Die Blauen bitte.“ Hieo greift routiniert in das Regal hinter ihm und reicht die Zigaretten über den Tresen. Auch dieser Einkauf ist nach wenigen Augenblicken erledigt.

Seit anderthalb Jahren arbeitet Hieo hier. Die Besitzer seien Freunde seiner Mutter, erzählt er. Inzwischen sitzt bei ihm jeder Handgriff: Ware auspacken, Regale auffüllen, Bestellungen entgegennehmen. Zum Einräumen der Ware kommt er trotzdem nicht. Die meiste Zeit verbringt er hinter dem Tresen, um seine Kunden zu bedienen.

Diese sind zwar keine Freunde – aber auch keine Fremden. „Hier kennt man sich“, sagt er. „Viele aus der Nachbarschaft kommen fast täglich vorbei und holen Zigaretten oder Bier.“ Die meisten Kunden wechseln dabei jedoch kaum ein Wort. Trotzdem kommen sie immer wieder. Ein Hauch Dorfgefühl in einer großen Stadt.

Dabei spielt vor allem das Angebot eine Rolle. „Viele denken, bei Spätis seien die Preise zu hoch, aber dafür haben wir fast alles“, sagt Hieo. Der schnelle Einkauf kostet zwar mitunter mehr, dafür erspart er den Kunden den Weg in den Supermarkt. Hier gilt Bequemlichkeit als Geschäftsmodell.

Hieo wendet sich wieder den Kartons zu. Die Kaffeemaschine surrt weiter. Dann schwingt die Tür erneut auf. Mit dem nächsten Kunden dringen die Geräusche der vorbeifahrenden Autos und einer Demonstration von der Straße in den Laden. Hieo hebt den Kopf, geht zum Tresen und fragt: „Wie immer?“ 

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