Maske – auch ohne Pandemie

Monika trägt oft noch immer eine Schutzmaske in der U-Bahn – auch über fünf Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie. Warum?

Eine weiße FFP2-Maske bedeckt Nase und Mund einer älteren Frau, die in einem Berliner U-Bahn-Abteil sitzt. Monika H. trägt außer der Maske noch eine blaue Regenjacke, eine rote Brille und ein gebundenes Tuch, das ihre Glatze verdeckt. Um sie herum husten Passanten husten und unterbrechen so das monotone Rattern des Zuges auf den Schienen. Monika H. ist allein. Die Sitze neben der Frau bleiben frei, obwohl das Zugabteil gefüllt ist.

Monika H. sitzt auf dem äußersten Platz. Bedächtig liegen ihre Hände in ihrem Schoß. Sie atmet ruhig durch ihre Maske. Beim Sprechen nimmt sie die Maske ab. Sie sitzt dann an ihrem Kinn. Den herzhaft lachenden Frauen gegenüber wirft sie einen lächelnden Blick zu. Trotzdem werde sie manchmal komisch gemustert, sagt Monika H., denn andere würden sich wohl fragen: „Was ist denn mit der los?“

Die 73-Jährige hat ihre Gründe, warum sie auch Jahre nach der Pandemie noch immer die Maske trägt. Einer davon ist: Sie will Rücksicht nehmen. „Das entspricht einfach meinen Werten“, sagt sie, „in Asien tragen ja auch viele Menschen eine Schutzmaske, sie sind es gewöhnt.“ Das habe auch etwas mit der respektvollen Kultur in asiatischen Ländern zu tun.

Doch vor allem trägt Monika H. die Maske, weil sie verletzlicher ist als andere. Und weil sie sich darüber bewusst ist, dass auch viele andere Menschen ähnlich verletzlich sind. Monika H. hatte Krebs, machte eine Chemotherapie durch. Ihr Immunsystem war lange geschwächt, ist es vielleicht immer noch.

Dass sie einmal in der Öffentlichkeit Maske tragen würde, das hätte Monika H. früher nicht gedacht. Denn konventionelle Medizin sei früher nicht ihr Ding gewesen. „Ich dachte, es sei Gift, und ich brauch’s einfach nicht“, erklärt sie. Erst Corona und ihre Krebserkrankung hätten ihre Sichtweise geändert. Ähnlich sei es mit Impfungen: Früher habe sie diese abgelehnt, auch solche gegen Kinderkrankheiten. Heute sei sie selbst gegen Corona geimpft.

Am Naturkundemuseum verlässt Monika die U-Bahn. An der frischen Luft trägt sie heute keine Maske. Sie steigt in die Tram ein. Dort zieht sie den Mundschutz wieder auf. An ihren Ohren trägt sie dicke, weiße Perlenohrringe. Sie glitzern im Neonlicht. Auffallen – das ist für Monika H. kein Problem.

Eigentlich habe das Masketragen nichts Schönes, sagt sie, “schon gar nicht im Sommer.“ Eines aber freue sie immer wieder: Wenn sie andere Menschen in der Bahn sieht, die auch einen Mundschutz tragen. “Man hat ein gegenseitiges Verständnis”, sagt Monika H.  Zwar komme das bei einer dreistündigen Bahnfahrt eher selten vor, aber wenn sie doch mal andere Reisende mit Maske sehe, dann fühle sie sich direkt mit ihnen verbunden.

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