Berlin, ich mal ein Bild von dir

Künstlerin zu sein bedeutet für Irina Weisel nicht nur zu malen. Außer Begabung braucht sie Verkaufstalent – und viel Geduld.

Es hat gerade aufgehört zu regnen. Die letzten Tropfen fallen noch auf die überdachten Stände. Einige Besucher trauen sich wieder auf den Kunstmarkt gegenüber der Museumsinsel. Die Farben der Werke von Irina Weisel leuchten an diesem grauen Tag. Der Berliner Dom, die Philharmonie und der Fernsehturm sind in knalligen Tönen auf ihren Bildern zu sehen.

Weisel malt die berühmtesten Gebäude Berlins und stellt sie zu einer expressiv-abstrakten Skyline von Berlin zusammen. Seit zehn Jahren verkauft sie ihre Werke auf dem Kunstmarkt. Sie geht auf die Kunden zu, lächelt viel und benennt die verschiedenen Gebäude auf ihren Bildern. Weisel hat in Russland Kunst studiert und stammt ursprünglich aus Kasachstan. Vor etwa 20 Jahren ist sie mit ihrem Mann und ihrer mittlerweile 32-jährigen Tochter nach Deutschland gezogen. Ihre Mutter ist in Kasachstan geblieben, ab und zu besucht Weisel sie noch dort.

Zwischendurch ein stiller Moment. Keine Kundschaft, nur die Künstlerin mit ihrer Kunst. Der Wind pfeift und es ist kühl für einen Sommertag. Weisel holt ein neues Bild hinter dem Tisch hervor und stellt es auf. Ein kurzer Wortwechsel mit einer Standnachbarin. Dann verstummen beide und warten wieder.

„Kunst ist meine Leidenschaft“, sagt Weisel. Besonders schwärmt sie von der Zeit, in der sie Kindern die Aquarellmalerei näherbrachte. Doch leider konnte sich dieses Projekt nicht finanzieren. Um ihrer Leidenschaft für die Malerei trotzdem nachzugehen, ging Weisel einen Kompromiss ein: Sie fing an, eigene Werke auf dem Kunstmarkt an der Museumsinsel zu verkaufen. „Hier finde ich es bequem und interessant“, sagt sie. 

25 Euro kosten die kleineren ihrer Werke, die großen deutlich mehr. Am Tag verkaufe sie fünf bis zehn Bilder, erzählt sie. Ihr Publikum sei sehr unterschiedlich und gehöre keiner festen Altersgruppe an.

Mittlerweile hat sich der Markt gefüllt. Auch zu Irina Weisels Stand kommen langsam mehr Menschen. Mit einem Lächeln erklärt sie ihnen die Kunstwerke. Es ist noch früher Nachmittag und sie hat ihre ersten Bilder verkauft. Sogar die Sonne kommt dabei ein wenig hervor.

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