Geschichten aus Silber und Gold

Martin Fiedler verwandelt Münzen aus aller Welt in filigranen Schmuck. Hinter den Stücken stecken Präzision, Geduld und die Geschichte eines Landes.

Golden glänzt die Sonne in der Berliner Charlottenstraße. In ihrem Licht waten zwei Flamingos durchs seichte Wasser. Allerdings nicht auf der Straße, sondern in der Auslage eines kleinen Ladens. Sie sind aus einer Goldmünze herausgearbeitet, die in einer Reihe mit weiteren Münzen liegt. Auch auf ihnen sind Tiere zu sehen. Neben einem Pferd schwirren Monarchfalter mit kleinen Diamanten auf ihren Körpern.

Sie alle stammen aus dem Atelier des Mannes, der hier jeden Tag hinter der Auslage steht: der Künstler Martin Fiedler. Er hat in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Münzen aus aller Welt bearbeitet. Um sie in kleine Schmuckstücke zu verwandeln, säubert, poliert und bearbeitet Martin sie mit einer Säge.

Sein Handwerk hat Martin ungefähr in einem halben Jahr erlernt. „Am Anfang sah das natürlich noch nicht so gut aus“, sagt er. „Geholfen hat mir, dass ich Erfahrung im Modellbau hatte. Dort braucht es ebenfalls viel Feinmotorik.“

Behutsam ordnet er die Schmuckstücke in der Auslage. Die Idee für seine Marke „Money Art Berlin“ stammt ursprünglich aus Thailand. Ein Freund aus seiner Band beobachtete lokale Handwerker, die aus Münzen Schmuck herstellten. Weil die beiden Freunde davon so inspiriert waren, entschieden sie, ihr eigenes Label aufzubauen. So konnten sie individuelle Schmuckstücke für ihre Kunden anfertigen und viel Zeit der Musik widmen. Auch heute noch macht Martin Musik und führt das Label – mittlerweile allerdings alleine.

Mit ruhigen Händen präsentiert der Künstler eine silberne Pfennigmünze und dazu den fertigen Kettenanhänger. Abgebildet ist die deutsche Malerin und Kunstlehrerin Gerda Jo Werner. Sie pflanzt darauf einen Baum. Wegen des deutschen Bezugs wird die Münze besonders häufig gekauft. „Wirklich schön ist es, wenn ein Kunde nach fünf Jahren wiederkommt und sagt, dass er den Schmuck immer noch gerne trägt“, sagt Martin. In jedem Schmuckstück stecke eine besondere Geschichte und viel Arbeit. Zwischen anderthalb Stunden und mehreren Tagen brauche es, bis eine Münze bereit zum Verkauf sei.

„Es gibt so viele verschiedene Motive. Tiere, Päpste, Persönlichkeiten oder was Länderspezifisches“, sagt Martin. „Das Tolle ist, dass dadurch für alle etwas dabei ist.“ Gekauft werden die Anhänger von ganz unterschiedlichen Menschen. Besonders viele Kunden kaufen die Ketten als Geschenk, sagt Martin. Manchmal kommen auch Kunden mit einem besonders vertrauensvollen Auftrag: Sie bringen ein Erbstück vorbei. Zum Beispiel eine Münze, die schon lange im Familienbesitz war. Mit Material und Aufwand verändert sich auch der Preis. Die kleinen Kunstwerke kosten zwischen 139 und 5.990 Euro.

Martin mag es, sich immer neue Ziele zu setzen. In Zukunft will er sich vor allem auf das Verarbeiten von Gold konzentrieren und seine Marke als Luxusmarke etablieren. Vielleicht glänzen also schon bald mehr goldene Sonnen und Flamingos an den Hälsen seiner Kunden.

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