Händler im Visier der Diebe 

Sie klauen Schmuck oder Geld. Auf dem Antikmarkt sind immer öfter Diebe unterwegs. Händler Klaus lässt sich nicht unterkriegen. 

Vor dem mittelalterlichen Stadttor auf dem Rudolfplatz in Köln stehen rund 30 weiße Pavillons. Heute ist Antikmarkt. Klaus, graue Haare, Kapuzenjacke, steht an seinem Stand zwischen rostigen Fotoapparaten und alten Gemälden. Gerade verhandelt er mit einem Kunden über eine metallene Schmuckkiste. Die sei von seinem Vater während des Zweiten Weltkriegs gefertigt worden, sagt er. Die raue Hand des 74-Jährigen streicht über die Oberfläche der Kiste. “Mein Vater hat diese mit verballerter Munition gemacht”, sagt Klaus und lacht.  

Er deutet auf einen Juwelierstand gegenüber. Oft werde versucht, von solchen Ständen Schmuck zu klauen. Klaus sagt, mitten am Tag würden die Diebe zugreifen. “Manchmal klauen hier die Leute eine ganze Schmuckschachtel“. Das sei auf Flohmärkten mittlerweile normal geworden.   

Klaus ist seit Jahren Händler bei dem zweimal jährlich stattfindenden Antikmarkt auf dem Rudolfplatz. Er verkauft seine Sammlerstücke aller Welt. Und dabei hat er Spaß. Vor allem mag er den Austausch mit den Menschen. Aber er macht sich Sorgen, wenn es um die Sicherheit des Marktes geht.  

Mitten in der Nacht sei eine Person bei ihm in den schon aufgebauten Pavillon eingebrochen und habe etwas geklaut, sagt Klaus. Er reißt die Augen auf und zieht die Augenbrauen hoch. “Wenn Leute so etwas machen, dann will ich ihnen aufs Maul hauen!“ Er sagt, er glaube an das Gute der Menschen, aber Diebstahl rege ihn auf. Wäre kein wachsamer Wachhund auf dem Markt gewesen, dann wäre es fatal geworden, meint Klaus.  

“Machen wir 12 Euro draus”, sagt Klaus einer Kundin, die eine Glasvase in der Hand hält. Er greift zu seiner Hüfttasche, die unter seiner Jacke steckt und nimmt ein großes Leder-Portemonnaie heraus. Klaus versteckt sein Geld, um sich vor Diebstahl zu schützen. “Geld ist das Meistgeklaute“, sagt Klaus mit einem ernsten Unterton.  

Er kommt mit einem Kunden ins Gespräch. Zufällig haben sie beide dasselbe studiert. Klaus nickt eifrig und sein Mund entwickelt sich zu einem Lächeln. Solche Begegnungen machen Klaus glücklich, Menschen etwas zu verkaufen bereitet ihm Freude. „Das ist der Grund, warum ich das mache”.  Deswegen sei er Trödler. 

Mit einem breiten Grinsen sagt Klaus zur Kundin mit der Glasvase: “Sie ist ab jetzt deine!” 

Die JONA ist das Journalismus-Stipendium

Wir bilden Euch zu Journalisten aus – und das neben dem Studium! Bewirb Dich um ein Stipendium der Journalistischen Nachwuchsförderung der KAS. Derzeit fördern wir etwa 100 Stipendiatinnen und Stipendiaten aus ganz Deutschland. Diese können an tollen Journalismus-Seminaren teilnehmen und werden zusätzlich sogar finanziell gefördert. Infos zur Bewerbung findest Du auf unserer Seite und auf Instagram.

Mehr erfahren