„Ausländer bleibt halt Ausländer“

Hazem Hussein ist nach Deutschland geflohen: acht Tage lang, ohne Schlaf. Jetzt betreibt er hier ein eigenes Geschäft. Darüber, was es heißt, angekommen zu sein.  

Der Metallbehälter schlägt leise gegen Hazem Husseins Knie, als er ihn durch den schmalen Gang trägt. Hussein kippt das Gefäß:  Seifenwasser läuft über die glatten Fliesen, hinterlässt einen stechenden, sauberen Geruch. Hussein greift nach dem Mopp. Schnelle, harte Bewegungen. Vor, zurück. Vor, zurück. „Heute später als sonst“, sagt er. Eigentlich beginne er früher mit dem Putzen.  

Hazem Hussein, 35 Jahre alt, Vater, kurze, dunkle Haare, steht in seinem Dönerladen in Köln. Früher habe er fünf Jahre als Angestellter in einem Dönergeschäft gearbeitet. Seit dreieinhalb Jahren führe er sein eigenes. Dass er hier steht, ist nicht selbstverständlich: Hussein ist yezidischer Kurde aus dem Irak. 2015 sei die Terrormiliz „Islamischer Staat“ in seine Heimatregion Shengal einmarschiert, sodass er habe fliehen müssen, erzählt Hussein. Acht Tage sei er unterwegs gewesen. Ohne Schlaf, ohne Nahrung. „Wenn ich das überlebt habe“, sagt er, „dann glaube ich, dass mich nichts mehr umbringt.“  

Inzwischen lebt er seit mehr als einem Jahrzehnt in Deutschland. Aber hat er hier auch ein zu Hause gefunden?  

Es sei nicht immer einfach gewesen, sagt Hussein. Er lehnt sich für einen Moment an den Türrahmen in seinem Dönerladen und reibt sich kräftig die Hände an seiner Schürze ab. Neben ihm drehen sich die Hähnchenfleischspieße. In der Thekenauslage liegen Salat, Weißkohl, Zwiebeln. Hussein holt tief Luft. Am Anfang in Deutschland, sagt er, habe er sechs Monate auf Unterstützung gewartet. Besonders negative Erfahrungen habe er beim Ausländeramt gemacht. Hussein habe hier nicht nur die Sprache, sondern auch ein neues Leben erlernen müssen. Er sagt: „Ich habe bei null angefangen.“  

  
Jetzt bückt sich Hussein vor den halbgefüllten Getränkekühlschrank und räumt Coladosen ein. Sein Laden ist gerade noch leer. Auch von seinen Kunden sei er schon rassistisch beschimpft worden, sagt Hussein. „Scheiß Ausländer“, sei er genannt worden.  Was das mit ihm mache? Hussein zuckt mit den Schultern. „Ausländer bleibt halt Ausländer.“ Rassismus werde wohl immer Teil seines Lebens sein. Er hält inne. Seine Augen werden kleiner, die Stimme ruhiger: „Ja“, sagt er, „ich bin ein Ausländer, aber auch ich bin ein Mensch.“   

Da tritt eine ältere Frau in den Dönerladen. Husseins Mundwinkel gehen nach oben, seine Augen glänzen. „Ein Hamburger, bitte!“, sagt die Kundin. „Mache ich Ihnen gerne!“ Hussein schneidet einen Burgerbun auf. Hinein kommen Sauce, Salat und Fleisch. Hussein klappt den Burgerbun zu und schiebt ihn über den Tresen.  In dem Regal gegenüber steht eine kleine Deutschlandflagge. „Seit der letzten Fußball EM steht sie dort“, sagt er lächelnd. Hussein greift nach kleingeschnittenem Gemüse. Seine Hände bewegen sich schnell, sortieren, schieben. „Ich bin Deutschlandfan“, sagt er mit lauter, klarer Stimme. „Deutschland ist auch meine Heimat!“ Hier sei sein Wohnort, hier sei seine Arbeit, hier sei sein Kind geboren. Dann verschwindet er in der Küche: „Ich muss für meine Familie und mich weitermachen!“ 

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