Omas hauen, kommt halt schlecht
Die „Omas gegen rechts“ in Köln Süd werden für ihr Engagement oft angefeindet. Trotzdem machen sie weiter. Und bleiben dabei gnadenlos freundlich.
Drei ältere Frauen stehen auf einem Kölner Kirchplatz und verteilen Flyer. Einige der Frauen tragen schwarzweiße Westen mit der Aufschrift: „Omas gegen Rechts“. „Weiter so“ ruft eine Passantin den Omas zu und steckt ihnen fünf Euro in ihr Spendenglas. Es ist nur eine von vielen kurzen Begegnungen an diesem Vormittag. Die Schritte der Passantin sind noch auf dem Kopfsteinpflaster zu hören, als bereits weitere Leute die „Omas gegen Rechts“ ansprechen. Sie gehören zur Ortsgruppe Köln Süd. Ihr Ziel für heute: Flyer mit ihren politischen Zielen verteilen und Buttons verschenken. So wollen sie mit Menschen in Kontakt zu kommen, informieren und Präsenz in der Stadt zeigen.
Eine der Omas, die sich heute gegen den Rechtsruck stark machen ist Gabriele Teuber. Teuber, um die 70 Jahre alt, blond gefärbte Haare, Sonnenbrille und Strickpulli ist Lehrerin in Rente. Sie hat die Ortsgruppe Köln Süd ins Leben gerufen, eine der vier Kölner „Oma-Gruppen“, wie Gabriele und ihre Mitstreiterinnen sich selbst mit einem Lächeln nennen. Sie engagieren sich zusammen: gegen rechtes Gedankengut, für Vielfalt und Demokratie. Das Wichtigste bleibe dabei das persönliche Gespräch mit Menschen. Man müsse dabei „gnadenlos freundlich sein“, sagt Gabriele, „das ist das Rezept!“ Sie lacht, zwei ihrer Mitstreiterinnen steigen mit ein. Doch das Engagement der Omas gefällt nicht allen.
Auch an diesem Vormittag werden die Omas angefeindet. Ein Mann fährt mit seinem Fahrrad auf eine der Aktivistinnen zu. Zuerst sprechen sie ruhig miteinander, doch das Gespräch endet in aufgebrachten Vorwürfen des Mannes. Seine Stimme wird laut und schallt über den Kirchplatz. Die Passanten schauen schon. Wild gestikulierend zeigt der Mann auf eine der Omas, dreht sich dann ruckartig um und schwingt sich auf sein Rad. „Den kennen wir schon“ sagt die Oma auf dem Weg zur Gruppe zurück. Er fühle sich regelmäßig von den Aktionen der „Omas gegen Rechts“ angegriffen, werde manchmal sogar ausfällig. Auch ansonsten kennen viele der Aktivistinnen die Angst vor den Anfeindungen, besonders, wenn sie sich als „Omas gegen Rechts“ erkenntlich zeigen: „Ein bisschen Angst am Anfang war mit dem Button schon da“, erzählt Gabriele. Die anderen Mitglieder ihrer Gruppe nicken schweigend.
Gabriele durchbricht die Stille: „Ich sag‘ ja aber immer: Omas hauen, kommt halt schlecht.“ Sie blickt lachend in die Runde. Die anderen Frauen stimmen ein, nicken immer wieder. „Wir müssen uns nicht verstecken“, schiebt Gabriele nach. Wieder gemeinschaftliches Nicken. Da ist sich die Gruppe einig – sich nicht einschüchtern lassen, weiter machen.
Und zumindest an diesem Vormittag danken es ihnen viele auch. Ein erster Blickkontakt zwischen Oma und Passant reicht oft schon aus, um Interesse zu wecken. Auch ein junges Pärchen schaut immer wieder zur Gruppe herüber, verlangsamt seinen Schritt. Ein Lächeln breitet sich auf den Gesichtern der beiden aus, als eine Aktivistin sie anspricht. Das Gespräch verlassen sie mit einigen Flyern und zwei „Omas gegen Rechts“-Buttons.
Damit sind sie nicht die einzigen, die Omas werden fast alle ihre Buttons an interessierte Fußgänger los.
Als die Gruppe am Ende ihrer Aktion ihren Stand abbaut klimpern und rascheln nur noch ein paar der mitgebrachten Materialien in ihren Taschen. Dafür aber umso mehr Euros in dem Spendenglas.